Synästhesie bezeichnet eine zusätzliche Erfahrung, die durch einen bestimmten Reiz automatisch ausgelöst wird. Ein Klang kann eine Farbe hervorrufen, ein Buchstabe kann dauerhaft einen bestimmten Farbton haben oder ein Wort einen Geschmack auslösen. Für viele Menschen ist das neutral oder angenehm, für andere kann es ablenkend oder unangenehm sein.
Was ist Synästhesie?
Synästhetische Verknüpfungen sind typischerweise unwillkürlich und über die Zeit relativ beständig. Sie können wie in die Außenwelt projiziert erlebt werden oder als starke gedankliche Verbindung. Die Erfahrungen unterscheiden sich, und Konsistenz wird als Muster beurteilt, nicht als Forderung nach einer bei jeder Gelegenheit vollkommen identischen Wahrnehmung.
Entwicklungsbedingte Synästhesie beginnt oft in der Kindheit. Sie garantiert weder ein besseres Gedächtnis noch mehr Kreativität oder künstlerische Begabung. Eine plötzlich neu auftretende Wahrnehmung im Erwachsenenalter kann andere Ursachen haben und sollte mit medizinischem Fachpersonal besprochen werden, besonders nach einer Erkrankung, Verletzung, Medikamenteneinnahme oder dem Konsum von Substanzen.
Die verschiedenen Formen der Synästhesie
Es gibt nicht die eine Synästhesie, sondern Dutzende möglicher Kombinationen. Zu den häufigsten gehören:
- Graphem-Farbe: Buchstaben und Zahlen haben jeweils ihre eigene Farbe. Das A rot, die 5 grün, ohne dass du darüber nachdenken musst.
- Klang-Farbe (oder Musik-Farbe): Klänge, Töne oder Stimmen lassen Farben, Formen oder Bewegungen erscheinen.
- Zahl-Raum: Zahlen, Monate oder Tage ordnen sich im Raum an, wie eine Linie oder ein Band, das du innerlich siehst.
- Lexikalisch-gustatorisch: Bestimmte Wörter lösen einen genauen Geschmack im Mund aus.
- Personifizierung (Sequenz-Persönlichkeit): Buchstaben, Zahlen oder Wochentage haben einen Charakter, fast eine Seele.
Die Verknüpfungen sind persönlich. Zwei Menschen können demselben Buchstaben unterschiedliche Farben zuordnen, auch wenn manche Muster häufiger auftreten, als es der Zufall erwarten ließe.
Wie sich Synästhesie im Alltag zeigt
Über die Definitionen hinaus wird Synästhesie ganz konkret erlebt:
- Gedächtnis: Eine Verknüpfung kann als hilfreicher Hinweis dienen, verbessert aber nicht jede Art von Gedächtnis.
- Musik: Ein Konzert kann zu einer inneren Bilderschau werden, einem Regen aus Farben, der sich mit dem Rhythmus bewegt.
- Lesen und Schreiben: Ein Text hat einen Gesamtfarbton, und ein falsch geschriebenes Wort kann die falsche Farbe zu haben scheinen.
- Emotionen: Die Zuordnungen sind oft gefühlsbeladen. Eine passende Farbe beruhigt, eine unstimmige Farbe irritiert leicht.
Manche Erfahrungen sind dezent, andere sehr lebhaft. Einige Menschen erkennen erst später, dass andere ihre Verknüpfungen nicht teilen.
Ein paar Beispiele
Synästhesie nimmt von Mensch zu Mensch tausend Gestalten an:
- Jemand, der jeden Namen mit einer Farbe verbindet und sofort weiß, dass zwei Personen in der eigenen Vorstellung denselben Farbton haben.
- Eine Person, für die sich die Woche wie ein Weg vor ihr ausbreitet, Montag links, Sonntag in der Ferne.
- Ein Musiker, der komponiert, indem er den Akkord sucht, dessen Farbe zur gewollten Emotion passt.
- Jemand, der einen Namen schmeckt und beim Aussprechen Haselnuss oder Minze spürt.
Diese Beispiele zeigen Möglichkeiten, keine Voraussetzungen und keinen Beleg für einen bestimmten Persönlichkeitstyp.
Wie man Synästhesie erkennt
Entwicklungsbedingte Synästhesie wird üblicherweise nicht als Krankheit behandelt. Forschende und klinische Fachkräfte können die Erfahrung dennoch untersuchen, wenn eine Klärung hilfreich ist oder eine andere Ursache ausgeschlossen werden muss.
Ein paar Anhaltspunkte helfen, sich wiederzuerkennen:
- Die Zuordnungen sind automatisch: Sie tauchen mühelos auf, du entscheidest sie nicht.
- Sie sind über die Zeit relativ stabil. Konsistenzaufgaben in der Forschung vergleichen wiederholte Verknüpfungen, machen aus einem einzelnen Wert aber keine vollständige Diagnose.
- Entwicklungsbedingte Formen bestehen meist schon lange und werden oft bis in die Kindheit zurückerinnert.
Eine eigene Beschreibung kann hilfreich sein. Eine neue, belastende oder sich verändernde Erfahrung sollte jedoch ohne angemessene Abklärung nicht einfach als harmlose Synästhesie angesehen werden.
Synästhesie und Liebesleben
Synästhesie sagt nichts über Sensibilität, Empathie oder die Qualität einer Beziehung voraus. Sie kann lediglich einen Namen, eine Stimme oder ein gemeinsam gehörtes Musikstück mit einer persönlichen Verknüpfung versehen.
Eine Partnerperson kann neugierig und respektvoll reagieren, ohne die Erfahrung zu romantisieren oder abzutun. Auf Atypiklove kannst du in eigenen Worten schildern, wie du sie erlebst.