Er heißt Daniel. Ingenieur auf einer Ölplattform, verwitwet, ein Kind. Er schreibt Ihnen jeden Morgen, erinnert sich an jedes Detail und teilt, wie es der Zufall will, Ihre Leidenschaft für alte Züge. Nach drei Wochen spricht er davon, Sie zu besuchen. Dann hängt sein Visum fest, und ihm fehlt nur noch das Geld für die Gebühren, um die Reise antreten zu können.
Daniel gibt es nicht. Seine Fotos gehören jemand anderem, seine Nachrichten folgen einem Skript, und die Person, die sie schreibt, führt vielleicht mehrere „Beziehungen“ gleichzeitig. Dieses Szenario, in unzähligen Varianten abgewandelt, gehört zu den häufigsten auf Dating-Seiten und in Dating-Apps.
Diese Betrugsmaschen zielen nicht auf naive Menschen. Dahinter stehen organisierte Betrüger, die manchmal in Netzwerken arbeiten und ausnutzen, was alle online suchen: Aufmerksamkeit, Verständnis, jemanden, der bleibt. Dieser Ratgeber zeigt die Warnsignale, die häufigsten Szenarien und was Sie tun können, wenn Sie glauben, ins Visier geraten zu sein. Er gilt für alle Plattformen, auch für Dating unter neurodivergenten Menschen.
Fake-Profil, Catfish, Love Scam: Wovon reden wir?
Diese Begriffe überschneiden sich, ohne ganz dasselbe zu bedeuten:
- das Fake-Profil: eine erfundene oder gestohlene Identität, mit Fotos, die jemand anderem gehören oder von künstlicher Intelligenz erzeugt wurden
- Catfishing: sich online als jemand anderes ausgeben, manchmal ganz ohne finanzielles Ziel
- der Love Scam, auch Romance Scam oder Liebesbetrug genannt: eine Gefühlsbeziehung aufbauen, um an Geld zu kommen
- der Anlagebetrug: Die Beziehung dient dazu, Sie in eine falsche Geldanlage zu locken, oft in Kryptowährung
- Sextortion: sich intime Bilder verschaffen und dann mit ihrer Verbreitung drohen, um Geld zu erpressen
- Bots und Lockprofile: Konten, die Sie auf kostenpflichtige Seiten, Webcam-Seiten oder Seiten lotsen, die Ihre Bankdaten stehlen
Alle diese Szenarien haben eines gemeinsam: Irgendwann bittet Sie jemand, den Sie nie getroffen haben, um etwas von Wert.
Ein Massenphänomen, das viel zu selten gemeldet wird
In den USA sind die beim FBI gemeldeten Verluste durch Love Scams und Vertrauensbetrug 2025 um mehr als ein Drittel gestiegen, auf knapp eine Milliarde Dollar in einem einzigen Jahr. Menschen über 60 tragen den Großteil dieser Verluste, doch keine Altersgruppe bleibt verschont: Junge Erwachsene melden die meisten Sextortion-Versuche.
Laut der US-Verbraucherschutzbehörde (FTC) gaben fast 60 % der Menschen, die 2025 durch einen Love Scam Geld verloren haben, an, dass alles in sozialen Medien begann. Der erste Kontakt kommt also nicht immer über eine Dating-Seite: Ein Onlinespiel, ein Messenger oder sogar eine „versehentlich“ verschickte SMS können der Einstieg sein.
Im Vereinigten Königreich, in Australien, Kanada und der Europäischen Union stellen die Behörden dasselbe fest: Love Scams gehören zu den am weitesten verbreiteten oder kostspieligsten Betrugsformen, und sie nehmen zu. Dennoch liegen diese Zahlen weit unter der Realität. Das kanadische Zentrum zur Betrugsbekämpfung schätzt, dass nur 5 bis 10 % der Betrugsfälle gemeldet werden: Viele Opfer schweigen, aus Scham oder weil sie Zeit brauchen, um zu verstehen, was ihnen passiert ist.
Die Anzeichen eines Fake-Profils
Ein einzelnes Indiz beweist nichts. Erst die Häufung sollte Sie aufhorchen lassen:
- Fotos wie von einem Model oder aus einem Magazin, alle sehr professionell, oder alle aus demselben Fotoshooting
- keine Alltagsfotos, nie ein Foto mit Freunden oder Familie, nie ein neues Foto, wenn Sie um eines bitten
- ein Beruf, der die Person auf Distanz hält und zugleich Vertrauen weckt: Soldat im Auslandseinsatz, Mitarbeiterin einer internationalen Organisation, Arbeiter auf einer Ölplattform, Geschäftsmann oder Geschäftsfrau im Ausland
- eine Geschichte, die Mitgefühl weckt: kürzlich verwitwet, ein Kind zu versorgen, ein kranker Elternteil
- Widersprüche zwischen Alter, Wohnort, Ausbildung, Sprachniveau und dem, was die Person erzählt
- ein brandneues Konto, das Ihnen sehr schnell und sehr herzlich schreibt
- eine vage, sehr allgemeine Bio oder eine, die Wort für Wort von einem anderen Profil kopiert ist
- ein Standort in Ihrer Nähe, aber eine Person, die „gerade erst angekommen“ ist oder „bald wieder weg“ ist
Achten Sie darauf, die Logik nicht umzukehren. Ein kurzes Profil, ein sehr direkter Schreibstil, wörtliche Antworten oder eine unsichere Rechtschreibung sind keine Anzeichen für Betrug: Viele autistische Menschen und Menschen mit ADHS oder Legasthenie schreiben so. Ein echtes Profil kann unbeholfen sein, ein falsches ist oft zu perfekt. Wenn Sie Ihr eigenes Profil für die richtigen Menschen verständlicher machen möchten, kann unser Ratgeber zum Schreiben Ihrer Bio helfen.
Ein Foto in wenigen Sekunden prüfen
Die umgekehrte Bildersuche findet heraus, wo ein Foto sonst noch im Internet auftaucht. Google Lens, Bing und TinEye machen das kostenlos: Sie laden das Foto oder einen Screenshot hoch, und das Tool zeigt die Seiten an, auf denen es vorkommt. Erscheint das Gesicht Ihres Matches unter einem anderen Namen, auf dem Konto eines Influencers oder in einer Bilddatenbank, ist die Frage geklärt.
Eine Suche ohne Treffer beweist allerdings nicht, dass das Profil echt ist. Das FBI warnt, dass Betrüger inzwischen Profile und Gesprächsskripte mit Tools der künstlichen Intelligenz erstellen, dazu generierte Gesichter, die nirgendwo sonst existieren. Manche Details können ein künstliches Bild verraten (verformte Hände, nicht zusammenpassender Schmuck, ein unstimmiger Hintergrund, unleserlicher Text), doch neuere Tools hinterlassen kaum noch welche.
Selbst ein Videoanruf ist keine absolute Garantie mehr: Manche Programme können ein Gesicht in Echtzeit ersetzen. Ein Videoanruf, der immer sehr kurz ist und im Halbdunkel stattfindet, mit einem Bild, das einfriert, oder einem Ton, der hinterherhinkt, sollte Sie vorsichtig machen. Der zuverlässigste Test bleibt ein Treffen an einem öffentlichen Ort.
Die Anzeichen im Gespräch
Das Skript eines Love Scams folgt fast immer demselben Ablauf. Bei diesen Verhaltensweisen sollten Sie auf die Bremse treten:
- das Tempo: Liebeserklärungen nach wenigen Tagen, „du bist der Mensch, auf den ich gewartet habe“, Pläne für ein gemeinsames Leben, bevor Sie sich überhaupt getroffen haben
- der schnelle Wechsel aus der App: Die Person drängt darauf, zu WhatsApp oder einem anderen Messenger zu wechseln, weg von Meldefunktion und Moderation
- das Treffen, das nie zustande kommt: kaputte Kamera, schlechte Verbindung, geheimer Einsatz, eine Reise, die ständig verschoben wird
- der perfekte Spiegel: Die Person liebt genau das, was Sie lieben, teilt Ihre Werte, Ihren Humor und sogar Ihr Spezialinteresse, als hätte sie Ihr Profil gelesen, um sich danach zu richten
- die Unstimmigkeit: allgemeine Antworten, die nicht auf das eingehen, was Sie geschrieben haben, Wechsel im Schreibstil, Uhrzeiten, die nicht zum angeblichen Aufenthaltsland passen
- die gezielte Neugier: genaue Fragen zu Ihrer Arbeit, Ihren Ersparnissen, Ihrer Wohnung, Ihrer Familie oder Ihrer Einsamkeit
- die Geheimhaltung: „Erzähl deiner Familie nichts davon, sie würden nicht verstehen, was wir haben“
- ein Drama nach dem anderen: Jede Woche bringt ein neues Problem, immer ernster
Einzeln betrachtet kommen manche dieser Verhaltensweisen auch in aufrichtigen Beziehungen vor. Jemand kann sich schnell verlieben, Kameras hassen oder eine schwere Zeit durchmachen. Der Unterschied zeigt sich, wenn Sie eine Grenze setzen: Ein aufrichtiger Mensch akzeptiert sie, ein Betrüger verhandelt, macht Ihnen Schuldgefühle oder setzt Sie unter Druck.
Auf der Website bleiben: Ihr bester Schutz
Wenn Sie sich nur einen einzigen Rat merken, dann diesen: Solange Sie Zweifel haben, führen Sie das Gespräch auf der Website oder in der App, wo Sie sich kennengelernt haben, so lange wie nötig. Ein aufrichtiger Mensch hat keinen Grund, Sie zum Wechsel zu drängen. Ein Betrüger schon: Oft ist das eine seiner allerersten Bitten.
Auf der Plattform bleiben Sie in Reichweite ihrer Schutzfunktionen: Sie können in wenigen Sekunden melden oder blockieren, und die Moderation kann prüfen, was geschrieben wurde. Auch die Zeit arbeitet für Sie. Ein Betrüger schreibt Dutzenden Menschen gleichzeitig: Je länger Sie bleiben, desto wahrscheinlicher wird er von einem dieser Menschen gemeldet und entfernt, bevor Sie sich emotional binden. In einem privaten Messenger kann niemand das Gespräch für Sie beenden.
Auf Atypiklove wird jede Meldung zu einem Profil oder einem Gespräch von einem Menschen aus dem Moderationsteam geprüft. Wird ein Konto wegen Betrugs gesperrt, wird das Gespräch geschlossen, und alle, die mit diesem Konto geschrieben haben, erhalten eine Benachrichtigung als Warnung. Diese Warnung erreicht Sie auch dann, wenn Sie anderswo weitergeschrieben haben, aber dort schützt Sie nichts vor der nächsten Nachricht.
Konkret heißt das: Lehnen Sie es immer ab, die Website schnell zu verlassen, auch wenn die Bitte freundlich ist oder gut begründet wirkt („Ich bin hier fast nie online“, „Mein Abo läuft morgen aus“). Wenn das Drängen nach einem klaren Nein weitergeht, haben Sie Ihre Antwort.
Der Moment, in dem alles kippt: die Bitte
Früher oder später bittet der Betrüger um etwas. Manchmal nach ein paar Tagen, manchmal nach Monaten: Je länger die Beziehung schon dauert, desto schwerer fällt das Nein. Die häufigsten Bitten:
- Arztrechnungen, ein Flugticket, ein Visum bezahlen oder was auch immer nötig ist, um aus einer Notlage herauszukommen
- „Zollgebühren“ zahlen, um ein wertvolles Paket freizubekommen, das angeblich für Sie bestimmt ist
- Geschenkkarten oder Prepaid-Guthaben kaufen und die Codes schicken
- Kryptowährung senden, oft über eine App, bei deren Installation die Person Ihnen Schritt für Schritt hilft
- Geld auf Ihr Konto oder ein Paket an Ihre Adresse empfangen und dann woandershin weiterschicken
- einen per SMS erhaltenen Code, ein Foto Ihres Ausweises oder Ihre Zugangsdaten zum Online-Banking weitergeben
Die letzten beiden Bitten sind besonders gefährlich. Wenn Sie Geld oder Pakete weiterleiten, können Sie zum Finanzagenten eines kriminellen Netzwerks werden und selbst wegen Geldwäsche verfolgt werden. Ein per SMS erhaltener Code dient fast immer dazu, ein Konto zu übernehmen oder eine Zahlung in Ihrem Namen freizugeben.
Laut FBI sind Geschenkkarten und Prepaid-Karten das Zahlungsmittel, das Opfer von Love Scams am häufigsten nennen, noch vor Kryptowährung und Überweisung. Allen gemeinsam ist: Ist das Geld einmal weg, lässt es sich nur sehr schwer zurückholen.
Die Regel passt in einen Satz: Wer Sie nie getroffen hat und Sie um Geld bittet, betrügt Sie, egal welche Geschichte er erzählt, bis das Gegenteil bewiesen ist.
Anlagebetrug: wenn Liebe der Köder ist
Bei dieser Variante verlangt der Betrüger anfangs nichts. Er oder sie erzählt vom eigenen Erfolg, von einem Verwandten, der Finanzexperte ist, von einer Trading-Plattform, die viel abwirft. Dann kommt das Angebot, Ihnen zu zeigen, wie es geht. Das Szenario läuft fast immer so ab:
- Sie eröffnen ein Konto auf einer Website oder in einer App, die professionell aussieht und von Ihrem Match empfohlen wurde.
- Eine erste Einzahlung zeigt schnell Gewinne, und eine kleine Auszahlung klappt, was Vertrauen schafft.
- Man ermutigt Sie, mehr zu investieren, manchmal auf Kredit oder indem Sie Ihre Ersparnisse aufbrauchen.
- Wenn Sie Ihr Geld zurückhaben wollen, verlangt die Plattform „Steuern“, „Freigabegebühren“ oder eine kostenpflichtige Verifizierung. Dann wird das Konto eingefroren.
Die angezeigten Gewinne hat es nie gegeben: Die Plattform ist eine Kulisse. Diese Masche wird oft mit dem englischen Ausdruck pig butchering bezeichnet, „das Schwein vor dem Schlachten mästen“, weil die Beziehung dazu dient, die Einzahlungen wachsen zu lassen, bevor alles genommen wird. Ein Match, das Ihnen zu einer Geldanlage rät, auch zu einer kleinen, ist ein ernstes Warnsignal. Die US-Verbraucherschutzbehörde bringt es auf den Punkt: Wenn jemand, den Sie online kennengelernt haben, anbietet, Ihnen beim Investieren in Kryptowährung zu helfen, ist es Betrug.
Laut FBI wurde Anlagebetrug mit Kryptowährungen 2025 zur größten Quelle der dort gemeldeten finanziellen Verluste. Diese Machenschaften werden größtenteils von kriminellen Netzwerken in Südostasien betrieben, die Opfer von Menschenhandel zur Arbeit zwingen: Die Person, die Ihnen schreibt, wird vielleicht selbst gegen ihren Willen festgehalten.
Sextortion: wenn Intimität zur Drohung wird
Das Szenario läuft schnell ab. Das Gespräch wird sehr bald sexuell, die Person schickt (gestohlene) Fotos und drängt Sie, dasselbe zu tun, oder schlägt einen intimen Videoanruf vor, den sie aufzeichnet. Kurz darauf folgt die Erpressung: Zahlen Sie, sonst werden die Bilder an Ihre Kontakte oder Ihren Arbeitgeber geschickt oder online veröffentlicht.
Wenn Ihnen das passiert:
- zahlen Sie nicht: Wer zahlt, bekommt fast immer neue Forderungen, und nichts garantiert, dass etwas gelöscht wird
- brechen Sie den Kontakt ab, ohne zu verhandeln, aber ohne den Chat zu löschen
- machen Sie Screenshots vom Profil, von den Nachrichten, den Drohungen und den verlangten Zahlungswegen
- melden Sie das Konto der Plattform und den betroffenen sozialen Netzwerken und erstatten Sie dann Anzeige
- bitten Sie die Plattformen, auf denen die Bilder auftauchen, sie zu entfernen: Ihre Verbreitung ohne Einwilligung ist in vielen Ländern verboten, und das Tool StopNCII.org, das mehrere Behörden empfehlen, kann zudem verhindern, dass sie in großen Netzwerken veröffentlicht werden, ohne dass Sie das Bild selbst jemals verschicken
Sie haben nichts falsch gemacht, als Sie Intimität mit jemandem geteilt haben, dem Sie vertraut haben. Die Schuld, und die Straftat, liegen bei der Person, die droht.
Betrugsmaschen, die es auf Ihre Daten statt auf Ihr Herz abgesehen haben
Manche Fake-Profile suchen keine Beziehung, sondern einen Zugang:
- die falsche Verifizierung: Ein Match schickt Ihnen einen „kostenlosen“ Verifizierungslink, um zu „beweisen, dass Sie echt sind“ oder sich vor Tätern zu schützen; die Seite verlangt Ihre Kartendaten, schließt kostenpflichtige Abos für Sie ab und verkauft Ihre Daten womöglich weiter (das FBI hat vor genau dieser Falle gewarnt)
- die Weiterleitung auf eine andere Seite: Ein sehr attraktives Profil lädt Sie schnell auf seine Webcam-Seite, seine private Website oder einen anderen Dienst ein
- der falsche Support: Eine Nachricht gibt sich als Kundenservice aus und verlangt Ihr Passwort, einen Code oder eine Zahlung, um Ihr Konto zu „reaktivieren“
- der präparierte Link: eine Anmeldeseite, die ein soziales Netzwerk oder Ihre Bank nachahmt
Keine seriöse Plattform verlangt, dass Sie sich auf der Seite eines Dritten verifizieren, die Ihnen ein anderes Mitglied vorschlägt.
Warum niemand davor gefeit ist
Auf Betrug hereinzufallen hat nichts mit Intelligenz zu tun. Betrüger nutzen universelle menschliche Mechanismen aus: das Bedürfnis nach Bindung, Hoffnung, Gegenseitigkeit („er hat so viel für mich getan“) und das bereits investierte Geld, das es schwerer macht, jede neue Zahlung abzulehnen. Sie arbeiten mit Skripten, die an Tausenden von Menschen erprobt wurden.
Auch manche neurodivergente Eigenschaften können erkannt und ausgenutzt werden. Das sind keine Schwächen, sondern Hebel, die der Betrüger zu nutzen gelernt hat:
- ein Vertrauen in den Wortlaut des Gesagten und Schwierigkeiten, Unausgesprochenes oder doppelte Botschaften zu erkennen, was viele autistische Menschen kennen
- Hyperfokus auf eine neue Beziehung und schnelle Entscheidungen, häufig bei ADHS
- eine Angst vor Ablehnung, die das Neinsagen schwer macht und dazu drängt, Gefallen zu tun, um die Verbindung zu halten
- die Intensität einer Verliebtheit, die in Limerenz umschlägt, oder einer ängstlichen Bindung
- die Erschöpfung durch Masking: Nach Jahren des Maskierens hat es eine enorme Kraft, jemandem zu begegnen, der Sie scheinbar mühelos versteht
Ob Sie Ihre Diagnose im Profil erwähnen, bleibt Ihre Entscheidung, und es hilft den richtigen Menschen, Sie zu finden (siehe unseren Ratgeber dazu, wie Sie über Autismus oder ADHS sprechen). Seien Sie sich nur bewusst, dass ein Betrüger sie nutzen kann, um seine Geschichte anzupassen: „Mich hat auch noch nie jemand verstanden.“
Regeln, die Sie im Voraus festlegen
Wenn eine Beziehung Fahrt aufnimmt, machen Gefühle jede Entscheidung schwerer. Im Voraus festgelegte Regeln, die ausnahmslos für alle gelten, schützen Sie, ohne dass Sie jede Situation einzeln beurteilen müssen. Zum Beispiel:
- Ich schicke nie Geld, Kryptowährung, Geschenkkarten oder Codes an jemanden, den ich nicht getroffen habe.
- Ich bleibe mit dem Gespräch auf der Website oder in der App, solange ich auch nur den geringsten Zweifel habe, und mindestens, bis wir einen Videoanruf hatten.
- Ich mache einen Videoanruf, bevor ich mich emotional binde, und danach ein Treffen an einem öffentlichen Ort.
- Ich teile keine intimen Bilder mit jemandem, den ich nie gesehen habe.
- Ich gebe nie einen per SMS erhaltenen Code, ein Passwort oder eine Kopie meines Ausweises weiter.
- Vor jeder Geldentscheidung, die mit einer Online-Beziehung zusammenhängt, spreche ich mit einem Menschen, dem ich vertraue.
- Eine Bitte um Geheimhaltung ist für mich ein Stoppsignal.
Diese Regeln lassen sich aussprechen, ohne jemanden zu beschuldigen:
- „Bevor wir weitermachen, brauche ich einen kurzen Videoanruf. Darum bitte ich alle.“
- „Ich leihe Menschen, die ich nicht getroffen habe, kein Geld. Das ist nichts Persönliches.“
- „Ich würde gern erst einmal hier weiterschreiben.“
Die Reaktion zählt mehr als die Antwort. Ein aufrichtiger Mensch sagt „okay“, auch wenn er enttäuscht ist. Ein Betrüger lässt nicht locker, ist gekränkt, macht Ihnen Schuldgefühle oder erfindet einen neuen Notfall. Nein zu sagen, ohne sich zu rechtfertigen, lässt sich lernen: Unser Ratgeber zum Setzen von Grenzen bietet Formulierungen. Und wenn ein ganz reales Profil später kontrollierendes Verhalten zeigt, hilft der Artikel über Red Flags in Beziehungen, den Unterschied zu erkennen.
Ein aufrichtiger Mensch kann auf einen Videoanruf warten. Ein Betrüger hat immer einen Notfall.
Erstes Date: auch offline vorsichtig bleiben
Fake-Profile versuchen selten, Sie zu treffen. Ein echtes Treffen verlangt dennoch ein paar Vorsichtsmaßnahmen: ein öffentlicher Ort, ein Weg, den Sie selbst im Griff haben, eine Vertrauensperson, die Uhrzeit und Ort kennt, und die Freiheit, jederzeit zu gehen, ohne sich zu erklären. Unser Ratgeber zum ersten Date erklärt, wie Sie ein Treffen vorbereiten, das auch Ihre sensorischen Bedürfnisse respektiert.
Wenn Sie glauben, Opfer zu sein: was zu tun ist, Schritt für Schritt
- Stoppen Sie Zahlungen und Kontakt. Überweisen Sie nichts mehr, auch nicht, um bereits Gezahltes „freizuschalten“, und erklären Sie nichts: Sie schulden niemandem etwas, der Sie belogen hat.
- Rufen Sie sofort Ihre Bank an. Je schneller Sie es melden, desto größer die Chance, dass eine Überweisung oder Zahlung gestoppt oder angefochten werden kann.
- Sichern Sie die Beweise. Screenshots vom Profil und von den Chats, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Krypto-Wallet-Adressen, Quittungen, Überweisungsreferenzen.
- Melden Sie das Profil der Plattform, auf der Sie sich kennengelernt haben, damit andere Menschen nicht ins Visier geraten.
- Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei oder bei der offiziellen Meldestelle für Online-Betrug in Ihrem Land.
- Sichern Sie Ihre Konten, wenn Sie Codes oder Passwörter weitergegeben haben: Ändern Sie sie und aktivieren Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung.
Hüten Sie sich danach vor „Rückholangeboten“. Nach einem Betrug bieten Nachrichten oft an, das verlorene Geld gegen eine Gebühr zurückzuholen: falsche Anwälte, falsche Ermittler, falsche Polizisten, falsche Kryptoexperten. Das ist ein zweiter Betrug, der gezielt die Opfer des ersten ins Visier nimmt. Keine offizielle Stelle lässt Sie dafür bezahlen, dass ermittelt wird oder Gelder zurückgegeben werden.
Und schließlich: Kümmern Sie sich um sich selbst. Bei einem Love Scam verliert man doppelt: Geld, und eine Beziehung, die einem etwas bedeutet hat, auch wenn die Person nie existiert hat. Die Trauer ist echt, die Scham oft groß. Sprechen Sie mit einem nahestehenden Menschen, einer Opferhilfeorganisation oder einer Fachperson. Unser Artikel über Liebeskummer kann Ihnen ebenfalls helfen, diesen Verlust zu verarbeiten.
Einem nahestehenden Menschen helfen, der es nicht glauben will
Wenn ein nahestehender Mensch in einem Betrug gefangen ist, bringt eine harte Konfrontation ihn oft dazu, die Beziehung zu verteidigen. Manchmal hat der Betrüger ihn darauf vorbereitet: „Die werden nur neidisch auf uns sein.“ Ein paar Ansätze:
- stellen Sie Fragen, statt Behauptungen aufzustellen: „Hattet ihr schon mal einen Videoanruf?“, „Warum bittet er nicht seine Familie um Hilfe?“
- bieten Sie an, gemeinsam eine umgekehrte Bildersuche zu machen
- erzählen Sie von ähnlichen Betrugsfällen, ohne sie direkt auf die Geschichte der Person zu übertragen
- bleiben Sie erreichbar, auch wenn die Person nichts hören will: An dem Tag, an dem Zweifel aufkommen, braucht sie jemanden, zu dem sie ohne Scham zurückkehren kann
Atypiklove beitreten
Auf Atypiklove können Sie ein Profil oder ein Gespräch melden und eine Person über das Menü ihres Profils oder Ihres Chats blockieren: Durch die Blockierung werden Sie füreinander unsichtbar, und es kommen keine Nachrichten mehr an. Bios, Fotos und Beiträge durchlaufen eine automatische und menschliche Moderation, Kontaktdaten sind in Bios nicht erlaubt, und eine Warnung erscheint, wenn Ihnen jemand eine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse schickt. Abonnements werden ausschließlich auf der Website bezahlt, über Stripe: Ein Mitglied, das Sie um Geld bittet, handelt nie im Namen der Plattform.
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Häufige Fragen
Wie erkenne ich, ob ein Dating-Profil gefälscht ist?
Ein einzelnes Indiz reicht nicht. Vorsicht ist geboten, wenn mehrere zusammenkommen: Fotos wie von einem Model, die nirgendwo sonst zu finden sind oder unter einem anderen Namen auftauchen, eine sehr bewegende Lebensgeschichte, ein Beruf, der die Person weit weg hält, schnelle Liebeserklärungen, der Wunsch, die App zu verlassen, und wiederholtes Ablehnen von Videoanrufen. Eine umgekehrte Bildersuche und ein kurzer Videoanruf klären die meisten Zweifel.
Mein Match lehnt Videoanrufe ab: Ist das zwangsläufig Betrug?
Nein. Manche Menschen fühlen sich vor der Kamera unwohl, besonders wenn sie ängstlich oder neurodivergent sind. Ernst wird das Signal, wenn die Ablehnung anhält, die Ausreden ständig wechseln und trotzdem eine Bitte um Geld, Fotos oder persönliche Daten auftaucht.
Was soll ich tun, wenn ich schon Geld geschickt habe?
Stoppen Sie jede weitere Zahlung, rufen Sie sofort Ihre Bank an, bewahren Sie alle Beweise auf, melden Sie das Profil der Plattform und erstatten Sie Anzeige bei den Behörden Ihres Landes. Bezahlen Sie nie jemanden, der verspricht, das verlorene Geld zurückzuholen: Das ist ein zweiter Betrug.
Was tun, wenn mich jemand mit intimen Bildern erpresst?
Zahlen Sie nicht, brechen Sie den Kontakt ab, ohne den Chat zu löschen, machen Sie Screenshots von den Drohungen und vom Profil, melden Sie das Konto und erstatten Sie Anzeige. Wer zahlt, bekommt fast immer neue Forderungen. Die Schuld liegt allein bei der Person, die droht.
Warum wollen Betrüger die App so schnell verlassen?
Außerhalb der App entgehen sie Meldungen, Blockierung und Moderation, und die Plattform kann das Gespräch nicht mehr für Sie beenden. Auf der Seite zu bleiben, solange Sie auch nur den geringsten Zweifel haben, ist der wichtigste Schutz, und ein aufrichtiger Mensch wird das ohne Weiteres akzeptieren.
Werden neurodivergente Menschen häufiger ins Visier genommen?
Jeder Mensch kann zum Ziel werden, und auf Betrug hereinzufallen hat nichts mit Intelligenz zu tun. Manche Eigenschaften, etwa Gesagtes wörtlich zu nehmen, eine starke Ablehnungssensibilität oder die Intensität einer neuen Bindung, können jedoch erkannt und ausgenutzt werden. Im Voraus festgelegte Regeln helfen, sich zu schützen.